Der Vampyr (englischer Originaltitel: The Vampyre) ist eine 1816 entstandene Kurzgeschichte des englischen Schriftstellers John Polidori. Mit dieser Geschichte schuf Polidori die erste VampirerzĂ€hlung der Weltliteratur und begrĂŒndete gleichsam mit der Hauptfigur des Lord Ruthven den Typus des modernen Vampirs.
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Bearbeiten Inhalt
Aubrey, ein junger EnglĂ€nder, trifft Lord Ruthven, einen mysteriösen Edelmann, der in der Londoner Gesellschaft auftaucht. Aubrey umwirbt den Lord und begleitet ihn schlieĂlich nach Rom. Dort verlĂ€sst er ihn, nachdem Ruthven die Tochter eines gemeinsamen Bekannten verfĂŒhrt.
Aubrey reist nach Griechenland, wo er sich in Ianthe, die Tochter eines Gastwirtes, verliebt. Ianthe erzĂ€hlt Aubrey ĂŒber Legenden von Vampiren. Als Lord Ruthven nachkommt, wird kurz danach Ianthe von einem Vampir getötet. Aber Aubrey verbindet nicht Ruthven mit dem Mord und begleitet den Lord wieder auf seinen Reisen. Die beiden werden von Banditen angegriffen und Ruthven wird tödlich verwundet. Bevor er stirbt, lĂ€sst Ruthven Aubrey einen Eid schwören, dass er ein Jahr und einen Tag lang seinen Tod oder irgendetwas anderes ĂŒber ihn nicht erwĂ€hnen dĂŒrfe und er auch nicht erzĂ€hlen dĂŒrfe, dass er Ruthven kannte.
Als Aubrey wieder nach London zurĂŒckkehrt, ist er verwundert, den Lord lebendig zu sehen. Jedoch erinnert Ruthven Aubrey an seinen Eid, den Tod geheim zu halten. Ruthven beginnt dann, Aubreys Schwester zu verfĂŒhren, wĂ€hrend Aubrey hilflos versucht, seine Schwester zu schĂŒtzen, und einen Nervenzusammenbruch erleidet. Als Ruthven und Aubreys Schwester am Tag, an dem der Eid endet, heiraten wollen, schreibt Aubrey seiner Schwester einen Brief, der die Geschichte des Lords preisgibt. Der Brief wird aber an Aubreys Arzt ĂŒbergeben. Daraufhin verrĂ€t Aubrey den VormĂŒndern das Geheimnis und stirbt. Die VormĂŒnder schaffen es nicht rechtzeitig, Aubreys Schwester zu warnen. In der Hochzeitsnacht saugt Lord Ruthven sie schlieĂlich aus und flieht.
Bearbeiten Entstehung
1816, im Jahr ohne Sommer, entstand in der Villa Diodati am Genfersee aus einem dichterischen Wettstreit mit Lord Byron sowie Mary Shelley und Percy Bysshe Shelley die ErzĂ€hlung The Vampyre. Aus Mary Shelleys Feder entsprang die Geschichte Frankenstein oder Der moderne Prometheus, wĂ€hrend Percy Shelley und Lord Byron eine dĂŒstere ErzĂ€hlung entwarfen, die aber nur ein Fragment blieb und spĂ€ter Fragment of a Novel genannt wurde. John Polidori benannte sein Werk Der Vampyr, welches von ihm erst spĂ€ter beendet wurde. Er lieĂ sich dabei von Byrons Werk beeinflussen und der Titelheld seiner Geschichte Lord Ruthven wurde mit Byron Ă€hnlichen ZĂŒgen ausgestattet.
Der Vampyr wurde am 1. April 1819 vom Verlag Colburn in der Zeitschrift New Monthly Magazine ohne Polidoris Erlaubnis veröffentlicht. Die Geschichte wurde falsch untertitelt und als A Tale by Lord Byron (âEine Geschichte von Lord Byronâ) bezeichnet. Der Name der Hauptfigur Lord Ruthven fĂŒhrte zu dieser Verwechslung, weil dieser Name ursprĂŒnglich in Caroline Lambs Roman Glenarvon Verwendung fand, der vom selben Herausgeber veröffentlicht wurde, und darin auch eine Zeichnung von Lord Byron vorhanden war. Lambs Werke wurden damals anonym herausgebracht und so nahm der Coburn-Verlag an, Der Vampyr könne von Byron stammen.
Bearbeiten Wirkung
Die Geschichte war ein groĂer Erfolg, weil sie unter Byrons Namen veröffentlicht wurde und eine typische Gothic novel war, die den damaligen Zeitgeschmack der schwarzen Romantik traf. Im Gegensatz zu den Vampiren in den ErzĂ€hlungen des Volksglaubens, die einen wilden animalischen Charakter hatten, stattete Polidori seinen Vampir mit aristokratischen und vornehmen ZĂŒgen aus und erstellte den Archetypus des Byronic Heros.[1]
Polidoris Werk beeinflusste die zeitgenössische Literatur und es erschienen mehrere Ausgaben und Ăbersetzungen von Der Vampyr. 1820 erschien eine Adaption Lord Ruthwen ou les Vampires von Cyprien BĂ©rard, die fĂ€lschlich Charles Nodier zugeschrieben wurde, der wiederum selbst Le Vampire verfasste, dessen Erfolg schlieĂlich zu Opernadaptionen von Heinrich Marschner (Der Vampyr, 1828) und Peter Joseph von Lindpaintner (Der Vampyr, 1828) fĂŒhrte. Das Thema des vornehmen Vampirs in Polidoris ErzĂ€hlung beeinflusste das ganze Vampirgenre. Edgar Allan Poe (Berenice, 1835), Nikolai Gogol (Der Wij, 1835), Alexandre Dumas (Le Vampire, 1865), Alexei Konstantinowitsch Tolstoi (Der Vampir, 1841) und Bram Stoker (Dracula, 1897) schrieben ebenfalls Vampirgeschichten, deren Vampire der Aristokratie entstammten und nicht mehr die wilden Bestien des Volksglaubens waren.[2]
Bearbeiten Einzelnachweise
Bearbeiten Literatur
- John Polidori: Der Vampyr. Eine ErzĂ€hlung. edition scaneg, MĂŒnchen 1991, ISBN 3-89235-509-6.
- Christopher Frayling: Vampyres: Lord Byron to Count Dracula 1992, ISBN 0-571-16792-6.
- Reinhard Kaiser: Der kalte Sommer des Doktor Polidori. Roman. Frankfurter VA, Frankfurt/M. 1991, ISBN 3-627-10200-2.
- Frederico Andahazi: Lord Byrons Schatten. Roman. Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-498-00060-8.
