| Hypo Real Estate Holding AG | |
|---|---|
| Unternehmensform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0008027707 |
| GrĂĽndung | 2003 |
| Unternehmenssitz | MĂĽnchen, Deutschland |
| Unternehmensleitung |
Axel Wieandt (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiter | 2000 (2007)[1] |
| Bilanzsumme | 400,2 Milliarden Euro (2007)[1] |
| Branche | Immobilien |
| Produkte | |
| Website | www.hyporealestate.com |
Die Hypo Real Estate Holding (HRE) ist eine deutsche Bankenholding mit Sitz in München. Zum HRE-Konzern, der unter dem Namen Hypo Real Estate Group in der Öffentlichkeit auftritt, gehören mit der Hypo Real Estate Bank AG, der Hypo Real Estate Bank International AG, der Depfa Bank plc und der Depfa Deutsche Pfandbriefbank AG vier Banken im Bereich der gewerblichen Immobilienfinanzierungen sowie in der Staats- und Infrastrukturfinanzierung.
Die Hypo Real Estate Holding ist seit Oktober 2003 börsennotiert und wurde rund zwei Jahre nach ihrer Gründung mit Wirkung zum 19. Dezember 2005 als Ersatz für die HypoVereinsbank in den DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse aufgenommen.
Die HRE ist durch die internationale Finanzkrise 2007/2008 stark betroffen. Als erste deutsche Bank erhielt sie im Rahmen dieser Krise staatliche Garantiezusagen in zweistelliger Milliardenhöhe. Außerdem beansprucht sie Garantien aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds.
Inhaltsverzeichnis |
Bearbeiten Konzern
Bearbeiten Bedeutung
Mit einem Immobilienfinanzierungsvolumen von etwa 124 Milliarden Euro ist die Hypo Real Estate Group einer der größten Finanzierer von gewerblichen Immobilienkunden in Deutschland und als solcher eines der größten Immobilienfinanzierungsinstitute in Europa. Mit einem Emissionsvolumen von etwa 180 Milliarden Euro ist die HRE zudem ein bedeutender Emittent von Pfandbriefen.[2]
Die Hypo Real Estate Group war außerdem eine der ersten Banken in Deutschland, die in großem Umfang Portfolien sogenannter notleidender Kredite (Non-performing Loans) verkauften, um ihre Bilanzen zu entlasten. So wurden 2004 Kredite mit einem Volumen in Höhe von 3.600 Mio. an Lone Star verkauft,[3] weitere 394 Mio. an Morgan Stanley und Citigroup.
Bearbeiten Entstehung
Im September 2001 fusionierten Nürnberger Hypothekenbank, Süddeutsche Bodencreditbank und Bayerische Handelsbank zur damaligen HVB Real Estate AG. Großaktionär und Namensgeber der börsennotierten Gesellschaft war die HypoVereinsbank, später übernahm die Gesellschaft auch das Immobiliengeschäft der HVB. Nach weiteren Anteilsaufstockungen leitete die HVB zum Jahresende 2002 den Zwangsausschluss (Squeeze-out) der Minderheitsgesellschafter ein.
Durch Abspaltung von Teilen des gewerblichen Immobilienfinanzierungsgeschäfts der HVB inkl. HVB Real Estate AG und einer Mehrheitsbeteiligung an der Württembergische Hypothekenbank AG wurde schließlich im Jahr 2003 die "neue" Hypo Real Estate Holding gebildet. Dies erfolgte rechtlich durch eine sogenannte Abspaltung (spin-off) zur Neugründung nach dem Umwandlungsgesetz, nachdem der Aufsichtsrat der HVB im März 2003 und die Hauptversammlung im Mai 2003 zugestimmt hatten. Die Abspaltung von der HVB wurde mit Eintragung in das Handelsregister am 29. September 2003 rechtswirksam. Aktionäre der HVB erhielten bei der Abspaltung für 4 HVB Aktien eine Hypo Real Estate Holding Aktie. Die ehemalige HVB Real Estate AG ist inzwischen in Hypo Real Estate Bank AG, die Württembergische Hypothekenbank AG, bei der in 2005 ein Squeeze-out erfolgte, in Hypo Real Estate Bank International AG umfirmiert.
Bearbeiten Depfa
Die Hypo Real Estate übernahm 2007 im Wege eines Aktientauschs die inzwischen aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegte Depfa Bank plc, deren Tochter Depfa Deutsche Pfandbriefbank AG hiernach zu einer direkten Tochter der Hypo Real Estate wurde.[4] Pro Depfa-Aktie zahlte die Hypo Real Estate 0,189 eigene Aktien plus 6,80 €. Letzter Handelstag der Depfa-Aktie war der 2. Oktober 2007.
Bearbeiten Aktionärsstruktur
26,95 Prozent des Kapitals sind in Streubesitz; Anteilseigner, die mit mehr als fĂĽnf Prozent am Unternehmen beteiligt sind (September 2008):[5]
- 24,13 Prozent – J.C. Flowers, New York, USA
- 9,31 Prozent – Capital Research and Management Company, Los Angeles, USA
- 7,00 Prozent – Grove International Partners, New York, USA
- 5,33 Prozent – Close Trustees (Cayman), George Town, Cayman Islands
- 5,14 Prozent – Orbis Investment Management, Hamilton, Bermuda
Die Beteiligung der J.C. Flowers & Co. LLC erwarb der amerikanische Finanzinvestor Christopher Flowers im Juni 2008 mittels eines öffentlichen Angebots. Er zahlte für seine Anteile etwa 1,1 Milliarden Euro.[6]
Bearbeiten Finanzkrise 2007/2008
Im Verlauf der internationalen Finanzkrise 2007/2008 wurde am 28. September 2008 publik, dass der Hypo Real Estate wegen eines Liquiditätsengpasses die Insolvenz drohe. Laut Angaben des Vorstands hatten schon über längere Zeit Gespräche mit Banken und Regierungsvertretern stattgefunden, weil die Tochter Depfa Refinanzierungsschwierigkeiten am Interbankenmarkt hatte.[7][8]
Bearbeiten Erster Krisengipfel
Am 29. September 2008 einigten sich Jochen Sanio von der Bankenaufsicht, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Martin Blessing von der Commerzbank, Josef Ackermann von der Deutschen Bank und Klaus-Peter Müller vom Bankenverband darauf, der Hypo Real Estate eine Ausfallbürgschaft zur Verfügung zu stellen. Das Finanzministerium teilte im Anschluss an den Krisengipfel mit, dass die HRE nicht vom Markt verschwinden solle, jedoch ihre Töchter an eine Zweckgesellschaft abgeben müsse.[9] [10]
Ursprünglich hieß es, für Ausfälle bis 14 Milliarden Euro werde die Bundesrepublik Deutschland zu 40 Prozent und der Bankenverband zu 60 Prozent bürgen; für weitere 21 Milliarden Euro bürge der deutsche Staat alleine. Die Staatsbürgschaft werde bei Bedarf über eine von der Bundesbank aufgelegte Zweckgesellschaft, ein sogenanntes Special Purpose Vehicle, bereitgestellt. Die Hypo Real Estate trete im Gegenzug entsprechende Vermögenswerte an den Bund ab.
Bearbeiten Zweiter Krisengipfel
Nach Verabschiedung des Rettungsplanes wurde bekannt, dass die Hypo Real Estate einen größeren Finanzierungsbedarf habe, als bei den Verhandlungen bekannt war. Die beteiligten Privatbanken zogen daher am 4. Oktober 2008 ihre Kreditzusagen zurück.[11]
Ein erneuter Krisengipfel am 5. Oktober 2008 zwischen Bundesregierung und der deutschen Finanzindustrie führte zu einem um 15 Milliarden Euro aufgestockten Rettungspaket für den angeschlagenen Konzern.[12] Nach Ansicht von Bundesbankpräsident Axel Weber sei diese Maßnahme erforderlich gewesen, um einen Zusammenbruch des Interbankensystems, also des Geschäftsverkehrs der Banken untereinander, abzuwenden.[13]
Bearbeiten FĂĽhrungswechsel
Im unmittelbaren Anschluss an den ersten Krisengipfel haben der Depfa-Chef Paul Leatherdale und der im Vorstand der Hypo Real Estate für die Staatsfinanzierung zuständige Bo Heide-Ottosen angekündigt, das Unternehmen kurzfristig zu verlassen.
Am 7. Oktober 2008 trat der Vorstandsvorsitzende Georg Funke zurück, nachdem seine Ablösung von mehreren Politikern, darunter Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, gefordert worden war. [14] Wenig später trat auch Aufsichtsratsvorsitzende Kurt F. Viermetz zurück. [15]
Als Nachfolger Georg Funkes wurde Axel Wieandt bestellt. Wieandt war seit 2003 bei der Deutschen Bank für den Bereich „Corporate Investments“ verantwortlich gewesen. [16] [17] [18]
Bearbeiten Inanspruchnahme des Finanzmarktstabilisierungsfonds
Am 29. Oktober 2008 erklärte die HRE in einer Pressemitteilung, dass die Verträge über das am 6. Oktober mit einem deutschen Finanzkonsortium, der Deutschen Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium ausgehandelten ersten Rettungspakets über 50 Mrd. Euro [19] zur Zeit endverhandelt würden und bis Mitte November 2008 bereitstehen würden. Um in der Zwischenzeit den kurzfristigen Liquiditätsbedarf der HRE zu sichern, habe man am 28. Oktober beim Finanzmarktstabilisierungsfonds einen Antrag auf Garantiestellung für eine Liquiditätsbereitstellung durch die Deutsche Bundesbank in Höhe von 15 Mrd. Euro gestellt. Darüberhinaus habe man einen Antrag auf weitergehende, umfassende Unterstützung – einschließlich etwaiger Kapitalmaßnahmen – beim Finanzmarktstabilisierungsfonds gestellt. [20] [21] [22] Am 31. Oktober 2008 teilte die HRE mit, dass der Finanzmarktstabilisierungsfonds diesen Antrag über Kreditgarantien in Höhe von 15 Milliarden Euro angenommen hat.[23] [24]
Bearbeiten Aufarbeitung
Bearbeiten BaFin-SonderprĂĽfung
Die Finanzmarktaufsicht BaFin prüft Hinweise auf Gesetzesverstöße während der Liquiditätskrise der HRE. Der Behörde wurde von der Staatsanwaltschaft München „die Verdachtsanzeige eines Marktteilnehmers“ weitergeleitet. „Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, aber wir halten die erhobenen Vorwürfe für substantiiert“, sagte eine BaFin-Sprecherin. Als mögliche Gesetzesverstöße kommen unerlaubte Marktmanipulation, Insiderhandel und ein Verstoß gegen die Richtlinien zur Ad-hoc-Publizität durch Entscheidungsträger der Bank in Frage. [25]
Bearbeiten Strafanzeige durch DSW
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat bei der Staatsanwaltschaft München Strafanzeige gegen den zurückgetretenen HRE-Chef Georg Funke und dessen Vorstandskollegen Bo Heide-Ottosen erstattet. Es gebe gleich mehrere Verdachtsmomente auf Rechtsverstöße, sagte Ulrich Hocker, Chef der DSW. Neben einer möglichen fehlerhaften Kapitalmarktinformation seien auch ein Verstoß gegen das Verbot der Marktmanipulation sowie Betrugsverdacht Gegenstand der Strafanzeige. [26] [27] [28]
Bearbeiten Interne PrĂĽfung
Der neue Vorstand der HRE hat der Anwaltskanzlei Milbank Tweed Hadley McCloy den Auftrag erteilt, „das Vorliegen etwaiger Pflichtverletzungen“ des früheren Vorstandschefs Georg Funke und des Vorstandsmitglieds Bo Heide-Ottosen zu untersuchen. „Im Interesse des Unternehmens und aller Beteiligten hat sich der Aufsichtsrat zu dieser im Ergebnis offenen Untersuchung durch eine unabhängige, renommierte Kanzlei entschlossen," erläuterte der neue Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Pohle.[29] Je nach Ausgang der Untersuchungen drohen strafrechtliche Konsequenzen, aber auch Auswirkungen auf die Ausbezahlung der Bezüge der beiden Vorstände nach der Auflösung ihrer Dienstverhältnisse. Funke könnte sein Ruhegehalt von 560.000 Euro pro Jahr nur dann sofort beziehen, wenn sein Vertrag ohne eigenes Verschulden vorzeitig aufgelöst worden wäre. Andernfalls müsste Funke bis zur Vollendung des 60. Lebensjahrs warten. [30] [31] [32] [33]
Bearbeiten Einzelnachweise
- ↑ a b Geschäftsbericht 2007
- ↑ Detlev Landmesser: Der Pfandbrief in der Krise. In boerse.ARD.de, 6. Oktober 2008 (online)
- ↑ Germany: Ravenous For Bad Debt - Workout veteran Lone Star is thriving by buying up Germany's troubled loans. In: Business Week. Abgerufen am 14.03.2005. (english)
- ↑ Hypo Real Estate Group schließt Übernahme der Depfa ab, 02.10.2007
- ↑ comdirect bank: Firmenportrait der Hypo Real Estate
- ↑ Pressemitteilung vom 24. Juni 2008
- ↑ Dax-Konzern Hypo Real Estate kämpft ums Überleben. In: Spiegel online, 28. September 2008
- ↑ Finanzkonsortium stützt Hypo Real Estate mit Milliardenkredit. In: Spiegel online, 29. September 2008
- ↑ Hypo Real Estate wird radikal umgebaut. Von dpa, 30. September 2008 (online)
- ↑ Ministerium: Rettungspaket dient nicht zur HRE-Abwicklung. Von Handelsblatt.com, 1. Oktober 2008 (online)
- ↑ Nach Scheitern des 35-Milliarden-Euro-Pakets – Krisengipfel soll HRE retten. In: Tagesschau (ARD), 4. Oktober 2008 (online)
- ↑ Nach Bund und Finanzbranche erreichen Einigung - 15 Milliarden Euro mehr Kredit für HRE. In: Tagesschau (ARD), 6. Oktober 2008 (online)
- ↑ Inter-Banken-System stand vor Crash. In: Frankfurter Rundschau, 7. Oktober 2008 (online)
- ↑ Politiker fordern Rücktritt von HRE-Chef Funke. In: Spiegel-Online, 6. Oktober 2008 (online)
- ↑ Spiegel-Online 10. Oktober 2008: HRE-Aufsichtsratschef Viermetz tritt zurück
- ↑ Presseinformation Hypo Real Estate: Aufsichtsrat bestellt neue Vorstandsmitglieder (PDF) (online)
- ↑ http://www.hyporealestate.com/274.php Der (gegenwärtige) Vorstand der Hypo Real Estate
- ↑ http://www.hyporealestate.com/167.php Der (gegenwärtige) Aufsichtsrat der Hypo Real Estate
- ↑ Spiegel-Online 19. Oktober 2008: Deutsche Bank hilft Hypo Real Estate mit zwölf Milliarden
- ↑ Pressemitteilung der HRE vom 29. Oktober 2008: Liquiditätslinien und Finanzmarktstabilisierungsfonds
- ↑ Spiegel-Online 29. Oktober 2008: Hypo Real Estate beantragt neue Hilfe in Milliardenhöhe
- ↑ manager-magazin 29. Oktober 2008: Hypo Real greift nach dem Rettungsschirm
- ↑ Spiegel-Online 31. Oktober 2008: Hypo Real Estate erhält 15 Milliarden Euro
- ↑ Financial Times Deutschland 31. Oktober 2008:Neue Staatsmilliarden für Hypo Real
- ↑ faz.net 14. Oktober 2008: Bafin sieht Gesetzesverstöße. Hypo-Real-Estate-Manager unter Verdacht
- ↑ Pressemitteilung der DSW 14. Oktober 2008: DSW stellt Strafanzeige gegen Verantwortliche der Hypo Real Estate
- ↑ Spiegel-Online 14. Oktober 2008: Missmanagement-Vorwurf. Hypo Real Estate leitet Untersuchung gegen Ex-Chefs ein
- ↑ faz.net 14. Oktober 2008: Bafin sieht Gesetzesverstöße. Hypo-Real-Estate-Manager unter Verdacht
- ↑ Pressemitteilung der HRE vom 14. Oktober 2008: Aufsichtsrat beauftragt rechtliche Untersuchung
- ↑ Financial Times Deutschland 15. Oktober 2008: Hypo Real knöpft sich Funke vor
- ↑ faz.net 14. Oktober 2008: Bafin sieht Gesetzesverstöße. Hypo-Real-Estate-Manager unter Verdacht
- ↑ Spiegel-Online 14. Oktober 2008: Missmanagement-Vorwurf. Hypo Real Estate leitet Untersuchung gegen Ex-Chefs ein
- ↑ Financial Times Deutschland 7. Oktober 2008: Bei der Hypo Real Estate stinkt der Fisch vom Kopf her
Bearbeiten Quellen
- Handelsblatt, 30. September 2008, Seiten 22 bis 25
Bearbeiten Weblinks
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